Datenrettung selber machen

Kann man eine Datenrettung selbst durchführen?

Die Ursachen für Datenverluste und Festplatten-Defekte sind vielfältig: Sturzschäden haben häufig schwerwiegende mechanische Beschädigungen zur Folge, es kann aber auch durch Ermüdungserscheinungen der Festplatten-Mechanik zum Totalausfall einer Festplatte kommen. Häufig sind auch elektronische Beschädigungen von Controllern oder den Festplatten-Platinen – etwa durch Überspannung, Stromschwankungen oder dem Ausfall bestimmter Komponenten.

Noch häufiger sind logische Schäden anzutreffen: So kann etwa ein fehlgeschlagenes Firmware-Update bei einem NAS-Speicher zum Ausfall des RAID-Systems führen. Häufig sind aber auch ganz „normale“ Anwendungsfehler wie das versehentliche Löschen von Dateien und Ordnern oder das versehentliche Formatieren eines Datenträgers.

Je nachdem, um was für einen Schaden am Datenträger es sich handelt, bieten sich unterschiedliche Optionen für eine selbst durchgeführte Datenrettung. Bei logischen Schäden wie dem versehentlichen Löschen von Daten etwa von einem USB-Stick kann in manchen Fällen bereits eine kostenlose Software dabei helfen, die Daten wieder herzustellen. Es gibt eine Vielzahl teils sogar kostenloser Datenrettungstools im Internet, die durchaus in der Lage sind, bei bestimmten Arten von Datenverlust behilflich zu sein. Ob und welche Erfolge im Einzelfall erzielt werden können, ist jedoch stets sowohl von den Kenntnissen der umsetzenden Person als auch von der effektiven Auswahl der Programme und der fallgenau korrekten Anwendung abhängig; unsere hier zusammengestellten Informationen zu Möglichkeiten der Do-it-yourself-Datenrettung sind daher keinesfalls eine Anleitung mit „Geling-Garantie“.

Bei logischen Fehlern, insbesondere aber bei mechanischen Datenträgern sollte in einem ersten Schritt unbedingt geklärt werden, wie es zu dem Datenverlust gekommen ist, bevor weitere Schritte unternommen werden: Ein falsches Vorgehen kann hier zu fatalen Folgen bis hin zum Totalverlust der Daten führen!

Ursachen des Datenverlustes ermitteln

Logischer Schaden: Gelöschte Daten

Wurden versehentlich Daten aus einem Ordner gelöscht oder gar ganze Verzeichnisse, so können sich versierte Anwender auf verschiedene Weise behelfen:

Dateiwiederherstellung über die Schattenkopiefunktion (ab Windows Vista)

Windows legt im laufenden Betrieb so genannte Schattenkopien von Dateien & Verzeichnissen an. Hierbei werden Veränderungen an Dateien protokolliert, sodass diese mit etwas Glück relativ einfach wieder hergestellt werden können. Voraussetzung für eine Datenwiederherstellung mittels Schattenkopien ist, dass die Daten auf Laufwerk C lagen, da nur hier der Schattenkopiedienst per default aktiv ist.

Wurden etwa Dateien vom Desktop gelöscht, so reicht es unter Umständen bereits, einen Rechtsklick auf den Desktop auszuführen und im Kontextmenü „Vorgängerversion wiederherstellen“ auszuwählen. Im nächsten Schritt bekommt die anwendende Person eine Dateihistorie angezeigt und kann hieraus die Daten auswählen, die gerettet werden sollen. Wichtig ist hierbei – wie bei allen anderen Maßnahmen der Datenrettung – , dass die zu rettenden Daten nicht auf dem gleichen Laufwerk wieder hergestellt werden sollten, da hierdurch neue Daten geschrieben werden. Sollten die wiederhergestellten Daten dann nicht funktionieren, hätte der Anwender sonst später keine Möglichkeit mehr, weitere Daten zu retten, da diese ggf. bereits überschrieben worden sind.

Im professionellen Bereich wird deshalb bei einer Datenrettung zunächst eine bitgenaue 1:1 Kopie des Original-Datenträgers angelegt, der die Basis für alle weiteren Arbeitsschritte darstellt. Der Original-Datenträger wird also so belassen, wie er eingeliefert wurde und es werden keinerlei Schreibvorgänge auf dem Original durchgeführt, da diese zu Datenverlusten führen können.
Auch Privatanwender können solche Kopien anlegen, etwa mit dem Linux-Werkzeug dd oder aber dd_rescue, die in der kostenlosen Linux-Variante Knoppix enthalten sind. Allerdings sollte die anwendende Person hierfür schon Kenntnisse im Umgang mit Linux mitbringen und es sollte sichergestellt sein, dass der Datenträger keine mechanischen Probleme aufweist.

Datenrettung mit zum Teil kostenloser Software

Selbst wenn Daten nicht nur in den Papierkorb verschoben wurden, sondern der Papierkorb bereits geleert wurde, sind die Daten oft noch zu retten. Dies liegt daran, dass Einzelteile der Dateien in kleinsten Stücken (so genannten Fragmenten) verteilt über die Festplatte erhalten bleiben. Windows gibt die Bereiche, in denen die gelöschten Daten lagen, zum Neubeschreiben wieder frei, ohne die Fragmente zu löschen. Endgültig gelöscht werden Daten nur durch professionelle Löschprogramme, die die Daten mehrfach löschen und die verbliebenen Bruchstücke mit einem leeren Wert überschreiben. Nach einem Datenverlust ist es deshalb sehr wichtig, schnell zu reagieren und nach Möglichkeit nicht mehr mit dem Computer weiter zu arbeiten. Denn jede weitere Aktion, egal ob das Hoch- oder Herunterfahren des Rechners, das Surfen im Internet oder die Installation von Updates für den Virenscanner, schreibt neue Daten auf die Festplatte und überschreibt so unter Umständen die Bereiche, in denen die zu rettenden Daten noch lagen.

Deshalb sollten sich User stets darüber im Klaren sein, dass einmal überschriebene Daten unwiederbringlich verloren sind und auch durch professionelle Datenretter dann nicht mehr wieder herzustellen sind. Daten, die ohne ein professionelles Löschprogramm entfernt wurden, können (so noch nicht überschrieben und damit grundsätzlich noch auf dem Gerät vorhanden) oftmals mithilfe von Datenrettungsprogrammen wiederhergestellt werden. Dazu werden der Name, die Größe und das Format der Datei angegeben und das Programm durchsucht die gesamte Festplatte nach den Dateiteilen, die auf der Festplatte noch vorhanden sind.
Wichtig ist bei der Benutzung solcher Datenrettungsprogramme ebenfalls, dass diese Programme niemals auf dem Datenträger installiert werden sollten, von dem Daten gerettet werden sollen. Die Ergebnisse der Datenrettungsprogramme sollten ebenfalls nicht auf dem Original-Datenträger gespeichert werden, sondern nach Möglichkeit immer z.B. auf einer externen Festplatte. Auch hier ist es ratsam, zuerst eine 1:1-Kopie des Original-Datenträgers anzulegen, etwa mit Hilfe einer Linux-Live-CD (u.a. Knoppix). Im zweiten Schritt kann dann nach den verlorenen Daten mit Datenrettungssoftware gesucht werden.

Logischer Schaden: Gelöschte Partitionen

Wurden versehentlich eine Festplatte oder Partition gelöscht, so kann das Dateisystem bzw. die Partitionsbelegung unter Umständen ebenfalls mit kostenlosen Programmen wie etwa testdisk wieder hergestellt werden. Auch hier gilt: Niemals auf dem Original-Datenträger arbeiten, sondern immer erst eine Kopie anfertigen, damit die Gefahr weiterer Datenverluste begrenzt wird.

Generell gilt auch bei logischen Defekten: Bei wichtigen Daten sollte das Risiko abgewogen werden, eine Datenrettung im Selbstversuch durchzuführen oder die Datenrettung an einen professionellen Dienstleister zu übertragen. Das Risiko von Anwendungsfehlern bei einer Datenrettung ist sehr hoch: Wir bekommen leider immer wieder Datenrettungsfälle zugetragen, bei denen der Anwender den Datenverlust durch falsche Anwendung von Datenrettungssoftware bis hin zum Totalverlust durch Überschreiben verschlimmert hat.

Mechanischer Festplatten-Schaden, Firmware-Probleme

Wenn eine Festplatte nicht mehr vom Computer erkannt wird, sehr langsam reagiert oder atypische Geräusche von sich gibt, handelt es sich in der Regel um mechanische Probleme. Auch wenn zwar noch Verzeichnisse angezeigt werden, in diese aber nicht mehr gewechselt werden kann oder Fehler beim Kopieren von Daten auftauchen, stimmt meistens etwas mit der Festplatten-Mechanik nicht mehr.

Noch viel fataler wirken sich physische Beeinträchtigungen aus: etwa wenn die Festplatte heruntergefallen oder umgefallen ist, ein Gegenstand auf die Festplatte gefallen ist oder die Festplatte einen Schlag bekommen hat.

Bei all diesen Fällen ist höchste Vorsicht geboten, da der weitere Betrieb der Festplatte die Daten endgültig vernichten kann. In Fällen von mechanischen Problemen haben Nutzer keine sinnvolle Möglichkeit, eine Datenrettung selbst durchzuführen, ohne den Totalverlust ihrer Daten zu riskieren. Und dieses Risiko ist hierbei extrem hoch: Sind die Schreib/Leseköpfe beschädigt, so kann der Selbstversuch einer Datenrettung mit Hilfe von Datenrettungssoftware dazu führen, dass die Schreib-Lese-Köpfe sich an bestehenden Laufwerksdefekten „festfressen“.

Da Datenrettungssoftware nur indirekt über das Betriebssystem mit dem Datenträger kommunizieren kann, hat diese Software keine Möglichkeit, auf Fehler der Festplatte zu reagieren. Wenn also Laufwerksprobleme bestehen, wird die Datenrettungssoftware immer weiter versuchen, die Daten auszulesen – bis entweder die Software und/oder Windows nicht mehr reagieren und abstürzen. Da die Festplatte hierdurch stark beansprucht wird, kann dies zum kompletten Laufwerksversagen bis hin zum Festplatten-Headcrash führen.

Gleiches gilt übrigens in Bezug auf so genannte Festplatten-Tools & Reparatur-Programme. Wenn eine Festplatte ein mechanisches Problem aufweist, sollte auf keinen Fall versucht werden, mit Checkdisk / chkdsk das Dateisystem zu überprüfen. Unter MacOS sollte keinesfalls das Festplattendienstprogramm genutzt werden. Beide Programme verändern das Dateisystem und versuchen, Inkonsistenzen aufzulösen. Bei einer intakten Festplatte stellt das meist kein Problem dar, bei einer mechanisch beschädigten Festplatte kann es aber fatale Folgen haben!

Hilfe vom EDV-Fachmann / der beste Freund

Leider bekommen wir auch immer wieder Fälle zur Datenrettung, bei denen Kunden sich erst an uns wenden, nachdem viele andere Köche sich ein Bild vom Zustand einer nicht mehr funktionierenden Festplatte gemacht haben. Und gerade was Datenrettung angeht, gilt definitiv: Viele Köche verderben den Brei!

Wenn eine Festplatte ein schwerwiegendes Problem aufweist und nicht mehr korrekt arbeitet – sei es, dass die Festplatte heruntergefallen ist, sei es, dass die Festplatte plötzlich nicht mehr vom Laptop erkannt wird oder die Festplatte atypische Geräusche macht – können in der Regel nur noch Fachleute mit spezialisiertem Wissen und spezialisierter Datenrettungstechnologie helfen und eine erfolgreiche Datenrettung durchführen.

Eine Festplatte mit physischen Problemen an jemanden („den besten Freund“) zur Analyse zu übergeben, der „auch in der EDV-Brache arbeitet“, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Totalverlust der Daten enden. Gleiches gilt für alle Versuche, eine Festplatte selbst zu „reparieren“. Auf Youtube finden sich eine Vielzahl interessanter Videos zum Thema Datenrettung, in denen zum Teil auch gezeigt wird, wie man Festplatten reparieren könne. Wir können nur warnen, diese Videos als Ansporn zu verwenden, es doch selbst auszuprobieren – unter dem Motto „Es kann so schwierig doch nicht sein“. Doch.

Ohne jahrelange Erfahrung im Umgang mit entsprechenden Datenträgern und ohne die entsprechende Ausrüstung für eine Datenrettung tendieren die Chancen, eine solche Reparatur mit Erfolg durchzuführen, bei der heutigen Laufwerkskomplexität und Datendichte in Richtung Null.

Auf den folgenden Bildern ist ein aktueller Datenrettungsfall dargestellt, bei dem ein „EDV-Experte“ sich an einer Festplatten-Reparatur versucht hat. Eine Datenrettung war nach diesen Versuchen leider nicht mehr realistisch.
Die Festplatte wurde unsachgemäß außerhalb eines Reinraum-Labors geöffnet, was zu einer sehr starken Verunreinigung der Datenplatten und des Innenraumes führte. Es fanden sich regelrechte Staubflusen auf den Datenplatten, die beim Einschalten der Festplatte unweigerlich zur Zerstörung der Schreib-/Lese-Köpfe führen würden. Ein Schaden an den Datenplatten wäre die Folge. An den Magneten sind Fingerabdrücke sichtbar, was bedeutet, dass die Festplatte ohne ESD-sichere Bekleidung geöffnet worden ist. Noch viel fataler ist aber, dass die Datenplatten offensichtlich ausgebaut worden sind, was an den nicht mehr stimmigen Löchern im Zentrum zu erkennen ist. Man sollte sich bewusst sein, dass die Datenplatten gegeneinander ausgerichtet sind und bereits eine Verschiebung dieser Ausrichtung um Zehntel-Millimeter zu einer Vernichtung jeder Möglichkeit einer Datenrettung führen kann!

Folgen einer DIY Datenrettung: Staub & Fingerabdrücke

Folgen einer DIY Datenrettung: Staub & Fingerabdrücke

Folgen einer DIY Datenrettung: Staub auf Datenplatten

Folgen einer DIY Datenrettung: Staub auf Datenplatten

Folgen einer DIY Datenrettung: Kratzer am Deckel

Folgen einer DIY Datenrettung: Kratzer am Deckel

Folgen einer DIY Datenrettung: Datenplatten lose

Folgen einer DIY Datenrettung: Datenplatten lose

Die Datenplatten wurden aber nicht nur entnommen, sie wurden später auch nicht wieder richtig fixiert und die Festplatte wurde dann auch noch eingeschaltet. Hierdurch sind am Gehäusedeckel Kratzer zu finden und der metallische Abrieb findet sich an den Magneten und im gesamten Gehäuse wieder. Hier wurde wirklich alles falsch gemacht, was nur falsch gemacht werden konnte; eine Datenrettung bei diesem Zustand ist unmöglich.

An wen kann man sich aber wenden, wenn ein Festplatten-Laufwerk einen mechanischen Defekt auszuweisen scheint? Auch der Computerfachmann „um die Ecke“ verfügt nicht über die notwendige Ausstattung, um schwere Laufwerksdefekte zu beheben und eine Datenrettung erfolgreich durchzuführen zu können. Auch wenn der Computerservice Ihnen bei einem leichteren Laufwerksproblem schon einmal helfen konnte, so hat er dies in aller Regel mit Hilfe der schon beschriebenen Datenrettungssoftware getan. Bei mechanischen Laufwerksproblemen kann der Einsatz einer solchen Software zur Datenrettung jedoch zum Laufwerksversagen führen!

Gleiches gilt für die großen Elektromärkte. Diese bieten zwar mittlerweile auch den Service zur Datenrettung an, führen diese dann aber nicht selbst durch, sondern übergeben den Auftrag zur Datenrettung gegen zum Teil hohe Provisionen an große externe Datenrettungslabore. Den Aufpreis hierfür trägt dann der Kunde.

Bei Vorliegen der beschriebenen schwerwiegenden Symptome sollte die Hilfe eines seriösen Datenretters in Anspruch genommen werden. Diese verfügen sowohl über das entsprechende Know-How im Umgang mit defekten Datenträgern als auch über die notwendige Hardware, um eine Datenrettung risikoarm durchführen zu können. Professionelle Datenrettungsunternehmen nutzen in der Regel keine Softwareprodukte, die auf dem Endanwendermarkt zur Verfügung stehen, sondern eigens für den professionellen Bereich entwickelte Werkzeuge für den Datenrettungsprozess. Eine Reparatur von Datenträgern wird dabei in staubfreien Räumen unter Verwendung ebenfalls spezialisierter Werkzeuge durchgeführt, sodass optimale Ergebnisse bei der Datenrettung erzielt werden können.

Wir raten in den meisten Fällen von Selbstversuchen zur Datenrettung ab, da die Risiken der Verschlechterung des Zustandes des Datenträgers den eventuellen Nutzen zum niedrigeren Preis nicht ausgleichen können. Und wenn sich der Zustand des Datenträgers erst einmal verschlechtert hat, steigen die Kosten für eine Datenrettung um ein Vielfaches, wenn eine solche denn überhaupt noch möglich sein sollte. Unsere professionelle Datenträgeranalyse kann im Falle des Datenverlustes als Entscheidungsgrundlage für die weitere Vorgehensweise im Falle einer Datenrettung dienen und macht transparent, mit welchen Kosten für die professionelle Wiederherstellung der Daten zu rechnen ist. Kontaktieren Sie uns für eine kostenfreie Beratung in Ihrem Fall.