Kriterien für seriöse Datenretter

Wie findet man einen seriösen Datenretter?

Ein plötzlicher Datenverlust kann jeden treffen: Der Datenträger (Festplatte, SSD, Speicherkarte oder USB-Stick) ist defekt, eine Sicherungskopie der Daten ist nicht vorhanden und das Backup hat nicht funktioniert oder wurde auf einen späteren Termin verlegt – es ist ja noch nie etwas Schlimmes passiert… Nun aber doch: Kein Zugriff mehr auf die Daten. Für manche ist es „nur“ ärgerlich, für andere ein Drama. Im schlimmsten Fall kann so ein Datenverlust sogar existenzbedrohlich werden, etwa dann, wenn auf der defekten Festplatte wichtige Unternehmensdaten gespeichert waren. In vielen Fällen sind unternehmensinterne Arbeitsprozesse durch den Ausfall der Festplatten in Serversystemen gefährdet; in manchen Fällen legt ein Datenverlust sogar ein das ganzes Unternehmen lahm und führt mit zunehmender Dauer des Ausfalls zu hohen Kosten.

Deshalb ist im Falle eines Datenverlustes oft schnelle Hilfe gefragt. Dennoch sollte man bei der Auswahl eines geeigneten Datenrettungsanbieters einen kühlen Kopf bewahren und nicht hektisch werden, sondern wohlüberlegt handeln: Die Datenwiederherstellungsbranche ist sehr unübersichtlich und es gibt auf dem Markt zahlreiche Anbieter, die gar keine „echten“ Datenretter sind. Vielmehr handelt es sich oft um sogenannte Wiederverkäufer, die den Datenrettungsfall gegen Provisionen an meist ausländische Firmen mit zweifelhaftem Ruf weiterleiten. Hierbei ist weder die Qualität des Anbieters sichergestellt noch gelten hier die strengen deutschen Datenschutzrichtlinien, die seriöse Datenretter hierzulande einzuhalten haben.

Um Ihnen zu ermöglichen, die Qualität und Seriösität von Datenrettungsanbietern festzustellen, möchten wir Ihnen hier einige Kriterien aufzeigen, auf die es unserer Meinung nach bei der Auswahl eines geeigneten Anbieters ankommt. So können Sie seriöse Anbieter besser von virtuellen Datenrettern unterscheiden.

Allgemeine Kriterien zur Auswahl eines Datenretters

Firmenanschrift: Viele der so genannten Reseller werben mit bundesweiter oder gar europaweiter Präsenz und haben dafür ein beeindruckendes Netz von Abgabestellen etabliert. Es handelt sich dabei aber bei genauerer Betrachtung vielfach nicht um echte Filialen, sondern – oft in zentraler bester Stadtlage in repräsentativen Business Centern – um mietbare Abgabestellen. Hier kann der verzweifelte Kunde seinen Datenrettungsfall dann höchstens einer Empfangsdame schildern, die den Datenträger entgegennimmt und ihn dann im Auftrag des virtuellen Mieters von dort aus auf Reisen meist ins Ausland verschickt. Hier ist also in jedem Fall Vorsicht geboten: Sie sollten skeptisch sein, wenn die Firmenanschrift in einem Business-Center zu verorten ist: Ein Reinraum-Labor wird es hier jedenfalls nicht geben und ob Sie hier eine kompetente Beratung erhalten werden, ist ebenfalls äußerst zweifelhaft.

Impressum: Um eventuell auftretende juristische Ansprüche nach deutschem Recht geltend machen zu können, muss im Impressum des Anbieters eine in Deutschland registrierte Firma genannt werden. Die Angabe einer Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, die mit DE für Deutschland beginnen muss ist hierbei besonders wichtig. Rechtsformen wie Ltd., s.r.o. oder B.V. deuten auf eine Firma mit Sitz im Ausland hin, bei denen die Durchsetzung von Rechtsansprüchen nicht gewährleistet ist.

AGB: Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sollten, nein – Sie müssen Sie lesen und zwar genau! Gerade in den AGB werden all jene Fallstricke versteckt, die Sie im Fall der Fälle zu einem Geschädigten machen werden.

Ein Beispiel: Eine Festplatte wird zur vermeintlich kostenlosen Analyse zu einem angeblich örtlichen Datenretter gebracht. Der Kostenvoranschlag wird aufgrund seiner horrenden Höhe von mehreren Tausend Euro abgelehnt, der Anbieter besteht nun aber plötzlich auf einer „Bearbeitungsgebühr“ von 250€ für die Rückabwicklung und die Festplatte befindet sich mittlerweile irgendwo hinter den Alpen. Hier wird der Kunde nun wohl oder übel zahlen müssen, wenn er seine Festplatte wieder haben will. Hätte er die AGB genau gelesen, wäre das sicher aufgefallen.

Ein weiteres Beispiel: Ein vermeintlich in Deutschland ansässiges Unternehmen wirbt mit deutschen Labors, Zertifikaten (ISO9001) und hohen Qualitätsrichtlinien. In den AGB wird aber deutlich, dass das Unternehmen nur als Mittelsmann tätig ist: So können Datenträger zur Diagnose und Wiederherstellung innerhalb der EU frei disponiert werden, anders gesagt kann der „Datenretter“ den Datenträger nach eigenem Ermessen an andere Unternehmen in z.B. Ungarn oder Polen weiterleiten. Um welche Unternehmen es sich hier handelt, wird nicht genannt, der Kunde weiß nicht, wo sich sein Datenträger eigentlich befindet.

Ein weiteres Beispiel: Eigentlich sollte man annehmen, dass der Kunde für die Dienstleistung der Datenrettung keine Kosten zu tragen hat und nur eventuell erforderliche Ersatzteile anfallen, wenn der Prozess der Datenrettung nicht zum Erfolg führt. Bei einigen Anbietern trägt der Kunde jedoch bis zu 45% des Kostenvoranschlags für die Dienstleistung, wenn keine Daten gerettet werden können. Solche Fallstricke sind ausschließlich in den AGB ersichtlich.

Lockangebote: Kostenlose Express-Abholung, scheinbar extrem reduzierte „Aktionsangebote“ und dann auch noch „Bestpreisgarantien“,… Wird beim Anbieter alles Mögliche kostenlos oder angeblich „für kurze Zeit reduziert“ angeboten? Seien Sie gewarnt: Viel zu oft handelt es sich hierbei nur um reine Lockangebote. Ist der Datenträger erst mal beim vermeintlichen Schnäppchenanbieter irgendwo in Österreich, Tschechien, Ungarn, China oder wo-auch-immer, wird es schnell sehr teuer. Wir bearbeiten immer wieder Datenrettungsfälle, bei denen Kunden auf solche Werbeversprechen hereingefallen sind. Die Kostenvoranschläge lagen bei den entsprechenden Anbietern in der Regel zwischen 1.500 – 6.000€ für eine einzelne Festplatten-Rettung – und die Kunden erhielten Ihre Datenträger häufig bei Nichtannahme des Angebots nur gegen eine nicht unerhebliche Gebühr zurück, nicht selten zudem in einem schlechten Zustand.

Persönlicher Kontakt: Auch, wenn Sie nicht am Ort des Unternehmens Ihrer Wahl wohnen, fragen Sie nach: Könnte ich den Datenträger auch persönlich vorbeibringen? Werden Sie bei Abgabe des Datenträgers ordentlich beraten bzw. haben Sie bei telefonischer Kontaktaufnahme das Gefühl, Ihr Gegenüber hat fundierte Kenntnisse, was den Umgang mit entsprechenden Datenträgern betrifft? Können Ihre technischen Fragen direkt oder durch Vermittlung an einen Techniker im Unternehmen beantwortet werden? Wenn ja, dann sind Sie an einer qualifizierten und vertrauenswürdigen Adresse, denn kompetente und ausgiebige Beratung ist für professionelle Anbieter selbstverständlich.

Erfolgsquoten: Es gibt einige Unternehmen, die mit hohen und unrealistischen Erfolgsquoten von zum Teil 99-100% werben. Fallen Sie nicht auf solche Angaben herein: Jeder Datenrettungsfall ist anders und hat seine ganz eigenen Anforderungen und Erfolgsaussichten. Von den Anbietern wird nicht genannt, welche Formen von Datenverlusten hier ausgewertet worden sind, ob es sich hierbei also um logische, leichte oder schwere physische Beschädigungen handelt. Diese Art der Werbung ist intransparent und sollte nicht als Entscheidungskriterium herangezogen werden.

Referenzen: Auch wir freuen uns über Kunden, die gut über unsere Datenrettungsdienste berichten, sei es auf ihrer eigenen Webseite, in Blogs oder durch die freundliche Erlaubnis, dass wir sie als unsere Referenzkunden nennen dürfen. Bei Datenrettern, die auf Ihren Webseiten als Referenz alle größeren Daxunternehmen auflisten, ist unserer Ansicht nach jedenfalls Vorsicht angesagt.